Der Verbund niedersächsischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt

Geschichte des Verbundes

In Niedersachsen entstanden die ersten Frauennotrufe und die Frauenberatungsstellen Ende der 70er Jahre im Zuge der zweiten Frauenbewegung. Die Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt gründeten sich Anfang der 80ziger Jahre.

Feministinnen kämpften für die Enttabuisierung des Themas Gewalt und sexuelle Gewalt und organisierten die notwendige Unterstützung durch Gründung besonderer Hilfsangebote für betroffene Frauen und Mädchen.

Die Frauennotrufe arbeiten schwerpunktmäßig zum Thema sexuelle Gewalt und Prozessbegleitung. Frauenberatungsstellen arbeiten zu weiteren Gewaltformen wie Gewalt in der Partnerschaft sowie Beratung zu allgemeinen frauenspezifischen Problemen. Die Beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch haben als Schwerpunkt den sexuellen Missbrauch in der Kindheit und deren Prävention. Viele haben darüber hinaus ein breites Angebot zu weiteren Problemlagen wie Förderung der Selbstbestimmung und Hilfe bei sozialen und finanziellen Notlagen.

Ende der 80er Jahre schlossen sich die einzelnen Beratungsstelle in Niedersachsen thematisch in Landesarbeitgemeinschaften (LAG) zusammen und es entstanden die:

  • LAG der niedersächsischen autonomen Frauennotrufe
  • LAG der niedersächsischen autonomen Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen
  • LAG der autonomen Frauenberatungsstelle Niedersachsen (AFN)

Von 1995 bis 2006 intensivierte sich die Zusammenarbeit dieser drei Landesarbeitsgemeinschaften. Je zwei Delegierte der jeweiligen LAG trafen sich regelmäßig zum Austausch über die Arbeit, initiierten gemeinsame Projekte und Aktionen und verstärkten den Kontakt zu LandespolitikerInnen und –ministerien. Praktische Erfahrungen aus der Beratungsarbeit wurden für politische Entscheidungsprozesse zur Verfügung gestellt.

Eine erste gemeinsame Internetseite der drei LAGs entstand im Jahr 2000.

Seit 2003 nannten sich die drei LAGs dann "Verbund der niedersächsischen Frauen- und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt".

Der Verbund wurde auf Landesebene zunehmend eine fachliche und politische Kraft für Frauen, die von Gewalt betroffen sind.

In diesen Jahren der Zusammenarbeit entstanden - nicht zuletzt durch das neue Gewaltschutzgesetz – zunehmend inhaltliche Schnittpunkte in der Arbeit der verschiedenen Beratungsstellen. Diese Entwicklung und ständig drohende und reale Kürzungen führten ein weiteres Mal zu engerer Zusammenarbeit und zu einer neuen Organisationsform.

Am 23.2. 2006 fand ein erstes gemeinsames Treffen aller Beratungsstellen statt. Die insgesamt 33 Beratungsstellen installierten ein gemeinsames Plenum als Ergänzung zu den bisherigen Treffen der drei LAGs.
Vertreterinnen aller Beratungsstellen treffen sich seitdem sechs mal im Jahr zum gemeinsamen Plenum, anschließend finden die Treffen der einzelnen LAGs statt. Darüber hinaus arbeiten Delegierte in einer Arbeitsgruppe Landespolitik, weitere Arbeitsgruppen bilden sich temporär zu inhaltlichen Themen, zu Öffentlichkeits- und Kampagnenarbeit.

Der Verbund der Frauen und Mädchenberatungsstellen gegen Gewalt hat sich zur Aufgabe gemacht, verstärkt auf Verbesserungen für gewaltbetroffene Frauen in Niedersachsen hinzuwirken und i.d.S. mit seiner fachlichen Kompetenz auf Landesebene notwendige Entwicklungen voranzutreiben und als Ansprechpartner zu fungieren.

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Landesarbeitsgemeinschaft der Autonomen Frauenberatungsstellen Niedersachsens

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Autonomen feministischen Frauenberatungsstellen Niedersachsens (AFN) ist der Zusammenschluss von derzeit 14 Frauenberatungsstellen auf Landesebene. Seit 1987 steht AFN für Vernetzung, Willensbildung und Austausch in frauenspezifischen Belangen. Auf Landesebene vertritt AFN die politischen und finanziellen Interessen ihrer Mitglieder.

Die in der AFN vertretenen Beratungsstellen unterstützen Frauen und Mädchen,

  • die von Gewalt betroffen sind,
  • die sich in Lebenskrisen und schwierigen Entscheidungssituationen befinden,
  • die in sozialen und finanziellen Notlagen stecken,
  • die psychische Belastungssituationen wie Trennung oder Scheidung durchleben,
  • die körperliche und/oder seelische Probleme haben wie etwa Ess-Störungen oder Ängste.

Das Unterstützungsangebot für Frauen und Mädchen umfasst:

  • Krisenintervention,
  • einmalige oder längerfristige psychosoziale Einzelberatung,
  • Unterstützung im Kontakt mit Behörden und bei Gerichtsverfahren,
  • Gruppen, Infoveranstaltungen.

Die Frauenberatungsstellen sind offen für alle Frauen und Mädchen, unabhängig von Alter, Status, Bildungsgrad, kultureller Herkunft oder sexueller Orientierung. Die Beratung ist kostenlos und anonym. Dies sowie die thematische Offenheit des Angebots der Frauenberatungsstellen erleichtert Frauen und Mädchen den Weg in die Hilfesysteme. Mit niedrigschwelligen Angeboten und offenen Treffs erreichen wir Frauen und Mädchen frühzeitig.

Wir beraten persönlich, telefonisch und auf Wunsch per E-Mail.

Ziel der Beratungen ist es, Frauen und Mädchen dabei zu unterstützen, belastende Lebenssituationen zu überwinden, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen und neue Lebensperspektiven zu entwickeln. 

Über die individuelle Hilfe hinaus sehen es die AFN-Mitgliedeseinrichtungen als ihre Aufgabe an, öffentlich auf bestehende geschlechtsspezifische Benachteiligungen aufmerksam zu machen. Mit unterschiedlichen Veranstaltungen, Fachvorträgen, Fortbildungen und Aktionen tragen sie zur Verbesserung der Lebenssituation von Frauen und Mädchen und zur Gewaltprävention bei.

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Landesarbeitsgemeinschaft der niedersächsischen Notrufe für Frauen und Mädchen

Die niedersächsischen Notrufe sind unabhängige Fachberatungsstellen zum Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Einige der Einrichtungen sind auf den Bereich der sexualisierten Gewalt spezialisiert, andere arbeiten zu allen Formen der Gewalt, insbesondere zu häuslicher Gewalt (d.h. Gewalt in /Ex-/Partnerbeziehungen, Stalking).

Träger der einzelnen Einrichtungen der Landesarbeitsgemeinschaft sind gemeinnützige Vereine. Die Beratungsstellen werden durch Förderung der jeweiligen Kommunen und des Landes Niedersachsen sowie durch Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

Standorte sind Braunschweig, Göttingen, Hannover, Laatzen, Langenhagen, Nienburg, Osterode/Harz, Ronnenberg und Wunstorf.

Die Arbeit der Frauennotrufe umfasst schwerpunktmäßig:

  • Beratung/Unterstützung von gewaltbetroffenen Frauen und Mädchen,
  • Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dabei reichen die Angebote der Beratung und Unterstützung von Krisenintervention in Akutfällen bis zu längerfristigen therapeutischen Angeboten, von sozialarbeiterischer Begleitung über psychosoziale Bestärkung bis zu traumatherapeutischen Prozessen. Einige Einrichtungen verfügen darüber hinaus über Gruppenangebote.

Art und Umfang des jeweiligen Angebots richtet sich hauptsächlich nach den jeweils verfügbaren personellen Kapazitäten sowie nach der Qualifikation der Mitarbeiterinnen in den einzelnen Beratungsstellen.

Hinweise zu den Angeboten der einzelnen Frauennotrufe finden Sie auf der Unterseite „Zu den Beratungsstellen“ oder über die einzelnen Beratungsthemen und –inhalte auf der Unterseite „Suche“.

Eine wichtige Grundlage der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Analyse der gesellschaftlichen Zusammenhänge, die zu einem verstärkten Auftreten sexualisierter Gewalt vorrangig durch Männer und vorrangig gegen Frauen und Mädchen führen. Hieraus ergibt sich die Unverzichtbarkeit eines geschlechtsspezifischen Ansatzes.

Die Erfahrungen aus der jahrzehntelangen Beratungsarbeit mit Betroffenen werden in der Konzeption von Präventionsangeboten umgesetzt. Aufgrund der sensiblen, häufig schambesetzten Thematik sind niedrigschwellige Angebote von besonderer Bedeutung.

Ein sehr differenziertes Angebot an präventiven Maßnamen ist erforderlich  aufgrund der vielfältigen Formen( sexualisierter) Gewalt:

  • Vergewaltigung und sexuelle Nötigung durch Bekannte, durch Fremdtäter, innerhalb einer Paarbeziehung,
  • Sexuelle Belästigung an Schule, Hochschule, Ausbildungsstätte, Arbeitsplatz,
  • Sexueller Missbrauch in der Kindheit,
  • Sexuelle Misshandlung im Rahmen von besonderen Abhängigkeitsverhältnissen: in Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Strafvollzugsanstalten, in der ärztlichen und psychotherapeutischen Behandlung,
  • Sexuelle Gewalt durch gleichaltrige Jugendliche („Date Rape“),
  • Im Internet angebahnte Sexualstraftaten,
  • Vergewaltigungserlebnisse im Krieg bei alten Frauen und Frauen mit Migrationshintergrund,
  • Sexuelle Gewalt im Rahmen von Zwangsehe,
  • Sexuelle Gewalt im Rahmen von Menschenhandel,
  • Rituelle sexuelle Misshandlung im Rahmen von Sekten und Kulten und andere,
  • Psychische, körperliche, sexuelle sowie ökonomische und soziale Gewalt in Partnerschaften (d.h. Formen der „häuslichen Gewalt“).

Die Arbeit der niedersächsischen Notrufe im Präventionsbereich trägt dieser Vielfalt Rechnung und bezieht neue Entwicklungen und Veränderungen im Gewaltverhalten ein. Dies wird umgesetzt durch

  • Öffentliche Informationsveranstaltungen,
  • Vorträge,
  • Fortbildungen für verschiedene Berufsgruppen aus Justiz, Gesundheits- und sozialem Bereich,
  • Schulprojekte,
  • Klassenbesuche,
  • Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse (Wen-Do),
  • Informationsveranstaltungen in Schulen, Freizeitheimen, sozialen Einrichtungen,
  • Aufklärungskampagnen,
  • Einrichtung fachübergreifender Arbeitskreise,
  • Herausgabe von Material zur Aufklärung und Fortbildung.

In der Praxis gibt es zahlreiche Überschneidungen der einzelnen Arbeitsbereiche:

Interventionen im Rahmen der Beratung tragen u. U. zur Vermeidung weiterer Gewalttaten im konkreten Fall bei. Das Aufzeigen von Gewaltdynamiken fördert die Fähigkeit, sich zu schützen oder ermöglicht es dem Umfeld, kompetenter zu reagieren. Die Präsenz von Gewaltberatungsstellen mit ihren vielfältigen Angeboten in der Öffentlichkeit trägt dazu bei, Gewalt gegen Frauen und Mädchen als gesellschaftliches Problem zu identifizieren und einer Verharmlosung und Mitschuldzuweisung an die Betroffenen entgegen zu wirken.

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Landesarbeitsgemeinschaft "Autonome Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen – Niedersachsen und Bremen"

Die Niedersächsische Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Beratungsstellen gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen engagiert sich seit 1989 für die Stärkung von Mädchen und Frauen und es ist ihr Anliegen, der alltäglichen sexualisierten Gewalt gegen Mädchen und Frauen etwas entgegenzusetzen. Sie vertritt die politischen und finanziellen Interessen von derzeit zehn Beratungsstellen auf Landesebene.

Die Beratungsstellen sind Ansprechpartnerinnen für:

  • Mädchen und Frauen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben oder aktuell erleben,
  • Unterstützende Bezugs- und Vertrauenspersonen, die vermuten oder wissen, dass ein Mädchen sexualisierte Gewalt erlebt oder erlebt hat,
  • Personen, die beruflich oder privat Mädchen, die sexualisierte Gewalt erleben, unterstützen,
  • Fachkräfte, die präventiv gegen sexualisierte Gewalt arbeiten möchten.

Wir beraten persönlich, telefonisch und auf Wunsch anonym.

Zu unseren Angeboten gehören:

  • kurz-, mittel- und längerfristige Beratung und psychotherapeutische Unterstützung für Frauen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit erlebt haben,
  • Traumatherapie,
  • Krisenintervention und traumatherapeutische Stabilisierung,
  • psychotherapeutische Begleitung bei Strafprozessen,
  • unterschiedliche Gruppenangebote für betroffene Mädchen und Frauen,
  • Einzelberatung und Gruppen für Mütter betroffener Mädchen,
  • Beratung für Vertrauenspersonen,
  • Einzel- und Teamberatung/ Supervision für Fachkräfte,
  • Öffentlichkeits- und Präventionsarbeit,
  • Informations- und Fortbildungsveranstaltungen.

Die Angebote können in den einzelnen Beratungsstellen variieren.

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Vernetzung und Kooperation

Vernetzung macht stärker. Schon früh haben Frauen das erkannt. Deshalb ist der Verbund auf Landesebene gut vernetzt.

So sind wir aktiv im Landesfrauenrat, im Landespräventionsrat und eine Arbeitsgruppe stellt Kontakte zu den Frauenpolitischen Sprecherinnen der Fraktionen her bzw. führt Gespräche mit den Ministerien. Viele unserer Mitgliedseinrichtungen sind darüber hinaus im Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe bff vernetzt.

Hier die jeweiligen Kontaktpersonen:

Landesfrauenrat

Jutta Wienand

Frauenberatungsstelle Neustadt, Fon (05032) 78 98

Landespräventionsrat

Regine Ruppelt

Frauenberatung Verden, Fon (04231) 85 129

AG Landespolitik

Barbara David

Violetta Hannover, Fon (0511) 85 55 54

Bundesverband bv-bff

Jutta Wienand

Frauenberatungsstelle Neustadt, Fon (05031) 78 98

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